Die virtuelle Realität zieht langsam in unseren Alltag ein. Wie können wir die neue Technologie für uns nutzen? Hier wollen wir von unseren ersten Erfahrungen mit dem Paralleluniversum berichten.

Raus aus der Realität - Kreatives Potenzial in virtuellen Welten

Kann sich noch jemand an den 09. Januar 2007 erinnern? Eine richtig innovative Idee hat den ersten wirklichen Durchbruch geschafft. Das iPhone wurde vorgestellt. Damals war der Taschencomputer mit nur einer Taste auf der Vorderseite eine Revolution. Ein Display zur Bewältigung des Alltags. Neun Jahre später gehören Smartphones und Tablets zur Basis unseres täglichen Handelns. Die Bedienung ist klar, die Funktionen werden immer anspruchsvoller und die Technikhersteller müssen nun Gas geben. Doch der Mensch wird sich nie mit dem zufrieden geben, was bereits existiert. Vorhandene Innovationen bieten Platz für neue Innovationen.

Was ist eigentlich aus der Frage nach Parallelwelten geworden?

Als Kind habe ich mich oft gefragt, ob die Erde oder das Universum nur ein Spielzeug anderer Welten ist und es um uns herum noch ganz andere Sphären gibt. Der Film Matrix zeigt wie schnell man sich mit dem täuschen kann, woran man fest glaubt. Doch so sehr die Vorstellung nach vorhandenen Parallelwelten utopisch erscheint, merke ich, dass wir uns durch die Digitalisierung immer mehr an eine solche annähern.

Die Vorstellung, in eine virtuelle Realität (VR) abtauchen zu können, ist nicht von heute. Die Idee existiert tatsächlich schon länger. Die ersten Vorfahren der Idee einer virtuellen Realität reichen bis in das Jahr 1932 zurück. Erwähnt wurde das Wort "Virtual Reality" erstmals 1982 im Roman "The Judas Mandala" von Damien Francis Broderick. Die ganze Geschichte der VR wird auf dem Blog "VRNerds" wunderbar beschrieben.

Kommen wir wieder zurück zur Ausgangsfrage. Ich kann mich an meine intensive "Gamer Zeit" erinnern. Computerspiele wie "World of Warcraft" oder die Idee von "Second Life" haben mich zum ersten mal in eine Parallelwelt gezogen. Tagelang gab es für mich keine andere Realität. Natürlich hat man seinen Alltag weiterhin gestaltet, aber glücklich war man vor allen in den fiktiven Welten der Orcs und Elfen. In "Second Life" hatte man sogar die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt in der Parallelwelt zu verdienen. Der Hype um Online-Rollenspiele ist in den letzten 10 Jahren erheblich gestiegen. Das Abtauchen in eine komplett eigene Welt wird durch Virtual Reality ein weiteres Level erreichen.

VR, MR, AR - was bitte?

Virtual Reality ist ein Begriff den sich der ein oder andere vielleicht noch gut ableiten kann. Virtuelle Realität hat zumindest nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Im folgenden Absatz will ich die verschiedenen Arten der neuen Technologie einmal erklären.

Augmented Reality

Neben VR gibt es weitere Arten der Realitätsverzerrung. "Augmented Reality" hat in unserem vorigen Artikel "Mit Pokémon Geld verdienen! Wir zeigen Ihnen wie Sie mit der App Pokémon Go Ihr Geschäft ankurbeln können" schon einmal eine Bühne erhalten. Die Umgebung nutzt eine erweiterte Realität um die virtuelle Welt standortbezogen darzustellen. Vorhandenes Kartenmaterial, sowie die GPS-Daten der Person werden für die Bewegung in der Welt als Basis der Spielumgebung genutzt. In "Pokémon Go" sind es eben die keinen Monster, die man dann im Bett oder im Auto oder beim Kollegen auf der Schulter versucht einzufangen. Mit der Karte (basierend auf Google Maps) weiß man, wo Taubsi, Ratzfratz und eventuell mal ein Shiggy zu finden sind.

Mixed Reality

Die Vermischung von Virtualität und Realität finden wir in vielen Bereichen schon wieder. Eine reale Umgebung angereichert mit virtuellen Informationen findet z.B. in der oben genannten Augmented Reality statt. Neben der App "Pokémon Go" sind Geräte wie die Google Glasses eine weitere Art um AR zu genießen. Der Nutzer schaut durch eine Brille und bekommt in seiner realen Umgebung virtuelle Informationen angezeigt. Die HoloLens von Microsoft funktioniert ähnlich.

MR ist eben der Überbegriff sämtlicher Vermischung von Virtualität und Realität. In PKWs findet man die Technik an einigen Stellen ebenso wieder. Displays in Windschutzscheiben sind ein Beispiel davon.

Virtual Reality

Das Wort Virtual Reality habe ich zum ersten mal mit der Oculus Rift in Verbindung gebracht. Die Oculus ist eine VR-Brille, die 2012 vorgestellt wurde. Seit 2016 ist diese Brille auch im freien Verkauf. Facebook hat 2014 die Übernahme von Oculus VR, Inc. bekannt gegeben. Die VR-Brille oder der VR-Helm ist mit einem Head-Mounted Display (Kopffixierter Bildschirm) ausgestattet. Sobald man die Brille aufsetzt, wird man aus der realen Welt gerissen und befindet sich in einem virtuellen Raum.

Welche Möglichkeiten VR für die Zukunft mitbringt und ob VR auch was für das Business außerhalb der Spiele-Industrie sein kann, habe ich unseren Creative Director Janis Florian Schibalski gefragt. Janis besitzt eine HTC Vive. Die HTC Vive ist ein Produkt von HTC und dem Spielehersteller Valve.

- Interview Anfang -

Janis, wie kamst du zu VR und was ist das besondere an VR für dich?

Ich bin wohl der Prototyp des "early adopter". Neue Technologien reizten mich schon immer und bei VR sehe ich schier unerschöpfliches kreatives Potential. Als zu sehen war, dass die Technologie jetzt im X-ten Anlauf wirklich Konsumenten-tauglich wird und daher auch mit einer großen Zahl an Anwendungen und Inhalten zu rechnen ist, wollte ich dabei sein.

Welche Chancen siehst du für VR im Mittelstand oder generell im Business außerhalb der Spieleindustrie?

VR ist ja nur ein Baustein in einem größeren Segment, das sich im Grundsatz gleicher Grundtechnologien bedient. Hier muss man auch AR (Augmented Reality)/MR (Mixed Reality) sehen, dessen großes Potential beispielsweise für die Logistik DHL schon vor zwei Jahren in einem größeren Report betrachtet wurde. Hier werden virtuelle Inhalte in das normale Sichtfeld eingeblendet und können so beispielsweise Zusatzinformationen oder Arbeitsanweisungen verfügbar machen. Ansonsten könnte VR - wenn es sich durchsetzt - generell für die Content-Industrie riesiges Absatzpotential bedeuten. Sinnvolle Anwendungsfälle sehe ich zudem in Konstruktion und Design (alle die mit 3D-Inhalten arbeiten - von Fahrzeugdesign, über Möbel, bis hin Mode und selbst reiner Kunst), wo man durch VR einen viel direkteren Bezug zu seiner Arbeit bekommen kann, als über die Krücke 2D-Monitor. In Erziehung und Wissenschaft hat die Technik ebenso großes Potential und wird teilweise schon intensiv genutzt. Erst neulich habe ich einen Bericht über Archäologen gesehen, die über in VR abgebildete Laserscans von syrischen Tempeln ihre Arbeit fortsetzen können. Das lässt sich beliebig fortsetzen.

Wie wird sich diese Technik durchsetzen und wann wird es einen echten Hype geben?

Das kann keiner sagen. Ob es diesmal reicht für den großen Durchbruch muss man sehen. Fakt ist aber, dass die Technik jetzt erstmals so weit ist komplexere virtuelle Welten in der notwendigen Geschwindigkeit und Qualität abzubilden.

Zwar sind die momentanen VR-Brillen noch nicht überragend in der Auflösung (i.d.R. ca. 1200 x 1000 Pixel pro Auge für das komplette Sichtfeld), aber eigentlich ist die Technik auch für dramatisch bessere Auflösungen bereits heute schon da. Das ist dann alles eine Preisfrage.

Preis ist das richtige Stichwort - der wird entscheiden. Schaffen es die Anbieter im Markt ausreichende Qualität zu einem guten Preis anzubieten? Im Herbst zieht Sony nach und bietet VR für die Playstation zum Kampfpreis. In Sachen Qualität gibt es dort wohl eher noch mehr Kompromisse, aber wenn die Inhalte stimmen, ist das fast zweitrangig.

Das werden spannende Monate. Ob es den echten großen Hype überhaupt braucht, ist die zweite Frage. Ich persönlich glaube, dass die Technik einfach zwangsläufig ist und sich notfalls auch „schleichend“ durchsetzen wird.

- Interview Ende -

Auch wir nähern uns dem neuen Feld!

Janis hat uns mit in die virtuellen Parallelwelten genommen. Bei unserem Team Event im September durften wir virtuelle Gemälde erschaffen, Matrix-Moves gegen fliegende Roboterkugeln üben und unseren Überlebensinstinkt gegen sehr real wirkende Zombies unter Beweis stellen. Es war eine unglaublich spannende und beeindruckende Erfahrung.